Wenn Gott schweigt!
veröffentlicht in Sonntagsblog
Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Psalm 83,2-3
„Ich höre nichts von Gott! “„Zu mir hat er noch nie geredet!“ „Ich glaube nicht dass Gott heute noch redet!“ „Wir haben ja sein Wort, dort hat er alles gesagt. Mehr hat er nicht zu sagen.“
Das können Aussagen sein, die wir selbst schon gehört oder auch getätigt haben. Aber ist das so, dass Gott schweigt? War sein letztes Wort Jesus selbst, seine Selbstoffenbarung in ihm und durch ihn? Ist nach dem Abschluss des Kanons Gott verstummt?
Die einen würden das bejahen, besonders um „neuen Offenbarungen“, die dann zu Sektenbildungen führen, eine klare Absage zu erteilen. Die Anderen würden sagen, selbstverständlich redet Gott, ich höre ihn täglich, wie er mit mir redet und mir in meinem Alltag hilft.
Und beide haben sie recht, in ihrem Sinn. Denn was den Heilsplan Gottes und die Heilsauswirkungen dieses Planes angeht, gibt es keine neuen Offenbarungen, kein neues Reden. Gott hat alles gesagt, was es für uns zu wissen gibt.
Aber erstreckt sich Gottes Reden und Handeln nur darauf?
Nein!
Menschen, die mit dem lebendigen Gott leben, erleben ihn als den, der sich um sie kümmert, sie leitet und ihnen sagt, wie und was sie tun sollen. Die Tatsache, dass wir durch Jesus von der Sünde frei gemacht wurden, bedeutet nicht, dass wir nun autonome Wesen sind. Jesus hat uns frei gemacht, damit wir ihm im Gehorsam nachfolgen. Das bedeutet, es wenn wir in der Apostelgeschichte lesen, dass die Menschen dem Glauben gehorsam wurden (Apg. 6:7).
In 1.Kor. 12:1ff macht Paulus deutlich, dass Gott eben nicht ein stummer Götze ist, wie die, denen die Menschen bisher folgten, sondern ein Gott ist, der redet, durch seinen Leib, die Gemeinde. Und er sagt dort, dass wir alle prophetisch reden können. Prophetisch reden bedingt, dass wir prophetisch hören.
Was ist also, wenn Gott schweigt, wenn wir nichts von ihm hören, obwohl wir doch unsere inneren Lauscher auf ihn ausgerichtet haben.
Der Anbetungsleiter Asaph kennt das offensichtlich, sonst würde er in unserem obigen Psalm nicht Gott in den Ohren liegen, eben nicht zu schweigen. Mit ihm hat auch David mehrfach diese Erfahrung wohl gemacht (Ps 28:1; Ps 35:22; Ps 39:12; Ps 109:1). Und wenn es einen Menschen im alten Testament gab, der Gott für alles und jedes um Rat fragte, dann war es David. Dieser fragte Gott, wann wie und wo er in den Kampf ziehen sollte. Er war sich seiner Abhängigkeit von Gott absolut bewusst und hat sie auch gelebt, und doch erlebte er auch Zeiten, in denen Gott offensichtlich schwieg. Wahrscheinlich hat Gottes Reden z.B. aufgehört, nachdem David mit Bathseba die Ehe gebrochen hatte und dann ihren Mann an vorderster Front sterben ließ um die Folgen des Ehebruchs zu vertuschen. Zumindest ist das seelische Leiden, das David aufgrund seiner Sünde erlebt, ein Hinweis, dass er mit seiner Schuld zunächst allein war.
Aber Gott erbarmte sich über ihn und sandte den Propheten Nathan zu ihm, der ihm ein Gleichnis erzählte, durch das er ihm den Spiegel vorhielt.
Manchmal kann es sein, dass Gott schweigt, obwohl nichts vorliegt, was uns am hören hindern könnte. Unsere Beziehung zu Gott ist nicht durch Schuld oder Widerspenstigkeit getrübt. Und doch redet Gott nicht, oder nicht in der Sache, in der wir eine Antwort von ihm suchen.
Im obigen Fall ist es nicht nur so, dass Gott schweigt, er scheint auch nicht zu handeln, er scheint sich still zu verhalten.
Wir beten um sein Eingreifen, und nichts passiert. Wir wünschen uns wenigstens eine Erklärung, warum er nicht handelt und auch diese bleibt aus.
Die Psalmen zeigen uns, dass selbst gottesfürchtige Männer, die im Dienst für Gott stehen solche Zeiten haben können und sie dennoch nicht aufgegeben haben, vor Gott zu kommen, sein Angesicht, seine Gegenwart, die Beziehung zu ihm zu suchen.
Gott ist immer da, immer auf unserer Seite, auch wenn wir das nicht spüren, fühlen, hören, sehen. Paulus sagt den Athenern, dass er nicht fern ist von einem jeden von uns (Apg.17:27). Wenn das für alle Menschen gilt, wie viel mehr für diejenigen, die er mit dem Blut seines Sohnes losgekauft hat und sie zu seinen Kindern gemacht hat.
Nicht umsonst fordert uns also der Hebräerbriefschreiber auf:
»Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf dass ihr den Willen Gottes tut und die Verheißung empfanget.«
Heb 10:35 35
Foto von Jeswin Thomas: https://www.pexels.com/de-de/foto/person-die-auf-bank-unter-baum-sitzt-1280162/