Welche Last trägt wer?

veröffentlicht in Sonntagsblog

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6,2

Würde der erste Teil des Verses ohne Angaben seiner Herkunft als Überschrift eines Artikels oder Posts stehen, würde man da wahrscheinlich eine Aufforderung eines unserer heute regierenden Politikers vermuten.
Es geht ja um die Solidargemeinschaft. Die soll, weil wir in Deutschland noch so reich sind (von wem reden die denn?), die Lasten gemeinsam tragen, die durch die hinter uns liegende Corona-Krise, die Migration der Armuts- und Kriegsflüchtlinge und die Opfer der globalen Klimakrise entstanden. Sie soll Verzicht lernen, mehr leisten und länger arbeiten.
Wenn man den Bibelvers liest, dann stellt man fest, dass der Kontext ein anderer ist. Dort geht es in Vers 1 um jemanden, der von einem Fehltritt übereilt wurde. Jemand der durch eigenes Verschulden in Sünde geraten ist. Ihm soll geholfen werden, dass er wieder aus dieser Situation rauskommt. Es kann sein, dass er im wahrsten Sinne Schuld auf sich geladen hat und da alleine nicht wieder herauskommen kann.
Und in dieser Situation kann es sein, dass wir die Last, die Bürde eines Bruders oder einer Schwester mittragen.
Dass wir ihm helfen aus den Schulden heraus zu kommen, durch zinslose Darlehen, Beratung im Umgang mit den Finanzen, Kündigung von unnötigen Verträgen, Reduzierung des Lebensstils, Beschaffung von Arbeit etc..
Oder, wenn z.B. in einer nichtehelichen Beziehung ein Kind entsteht, und in diesem Fall die Mutter alleine da steht, braucht sie Hilfe, denn oft kann sie es alleine nicht schaffen. Sie möchte trotz ihrer Mitschuld ihr Christsein weiter leben und in die Gemeinde kommen und braucht unsere Wiederannahme ohne Verurteilung, auch wenn die Situation seelsorgerlich aufgearbeitet werden muss.
Es geht also nicht um eine Hängematte, in die ich mich nach Belieben hineinfallen lassen kann, weil die anderen ja verpflichtet sind mich mitzutragen.
Die Schrift ist, was die Eigenverantwortung angeht, sehr deutlich. Paulus schreibt, dass wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.(2.Tim. 3:10) Ein Prinzip, das wir übrigens schon unsere Kinder lehren können, wenn es um die Beteiligung an der Hausarbeit geht.
Paulus spricht in V. 5 davon, dass jeder seine eigene Bürde tragen soll. Das hier verwendete Wort „Phortion“ bedeutet so viel wie „eine Last; die Ladung eines Schiffes, die Frachtrechnung eines Schiffes, die Dienstleistung“. Es geht also um die Eigenverantwortung, in die immer weniger Menschen genommen werden.
Wenn das Leben schwer ist, dann ist es so, weil die Umstände, die Familie, die Kindheitsgeschichte, die Gesellschaft usw. Schuld sind, und mir nicht das gegeben haben, was ich eigentlich gebraucht habe.
Es ist schon etwas her seit der Begriff „Snowflakes“ in den Sprachgebrauch gekommen ist. Übersetzt heißt er „Schneeflocken-Mentalität“ und beschreibt: … Menschen, denen eine mangelnde emotionale Belastbarkeit (Resilienz), ein übersteigertes Empfindlichkeitsgefühl und der Wunsch nach Sonderbehandlung unterstellt werden. Dass dies keine Unterstellung ist, zeigt die Wirklichkeit.
Heute sind wir schon einen Schritt weiter in der ganzen Wokeness, in der es eine unendliche Anzahl von Identitäten gibt, in der Jede genau diese Sonderbehandlung einfordert, mit allen dazugehörigen Konsequenzen.
Jeder ist nur noch ein Opfer, vor allem der Gesellschaft, Kultur und Geschichte, auf deren alten Fundamenten sich diese Haltung austoben kann. Allerdings möchten diese Opfer diese Fundamente so radikal wie möglich auslöschen. Man sägt an dem Ast, auf dem man sitzt, und wundert sich, dass da niemand mehr ist, der so dumm ist, einen aufzufangen.
Wir sehen also bei Paulus und in der ganzen Schrift ein Prinzip. Die Solidargemeinschaft ist nicht ein Wert in sich selbst, sondern nur Mittel zum Zweck der Hinführung zur Eigenverantwortung.
Nur wer Verantwortung für sein Leben übernimmt, kann sich auch seinem Versagen, seiner Schuld und der Notwendigkeit der Entschuldung stellen.
Jesus Christus ist dem nicht nütze, der sich dieser Tatsache verweigert. Jesus hat den Schuldschein, der gegen uns stand zerrissen. Aber wenn wir noch nicht mal unsere Schuld anerkennen, dann nützt uns das nichts.
Wer sich seiner Verantwortung stellt, der kann auch, nach der Entschuldung, nach der Erlösung durch das Blut Jesu, Verantwortung für das noch vor ihm liegende Leben, bis zur Ewigkeit, wahr nehmen. Er kann beginnen sein Leben zu gestalten und in der Kraft der Vergebung und Versöhnung auch für andere Verantwortung übernehmen.
Das ist eine historische, soziologische und auch geistliche Wahrheit. Menschen, die sich ihrer Verantwortung vor Gott gestellt haben, sind in einen Heilungs- und Wiederherstellungsprozess eingetreten, der sich auf ihre gesamte Umwelt, angefangen in der Familie erstreckt und ausgewirkt hat.
Ein Beispiel ist Zachäus, der, als Jesus in sein Leben hineintritt, dieses Leben und seine bisherigen Werte radikal verändert, neu ausrichtet (Luk. 19:2-10)
Wenn Jesus in dein Leben treten möchte, dann sei bereit dich deiner Verantwortung zu stellen und lass dich verändern.