"Ungeliebt aber wichtig"

veröffentlicht in Monatsbrief von Eugen

Es gibt ein Wort, das in christlichen Kreisen nicht wirklich geliebt wird. Man verbindet es mit dem Zeigefinger und dem Gesetz: Das Wort „Buße“.

Wir hören lieber von Gnade und was die Gnade alles für uns tut.
Nun gab es eine Zeit, in der sich die Menschen freuten über die Buße.
„Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Dann hat Gott also auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben.“ (Apg 11:18)

Gottes Gnade ist, dass Er uns Buße gibt zum Leben.

Die Auswirkung von Gnade ist, dass wir in der Buße leben, dass wir in der beständigen Umkehr, also der beständigen Erneuerung unseres Sinnes (Römer 12)  und unseres Handelns leben. Jesus sagt: „Gewiß, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen!“ (Lk. 11:28)
Am Ende der sieben Sendschreiben an die Gemeinden in Kleinasien sagt Jesus zur Gemeinde in Laodizea:  „Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!“ (Off. 3:19 )
Jesus will, dass wir verstehen: Er liebt uns, deshalb lässt Er uns nicht alles in unserem Leben durchgehen. Er will uns zurechtbringen und dazu gibt Er uns Gelegenheit, Buße zu tun, also umzukehren. Es ist Seine Gnade, dass wir umkehren dürfen, dass Er uns durch Seinen heiligen Geist überführt von Dingen, die in unserem Leben nicht gut sind.
Und dazu gebraucht Er uns gegenseitig und z.B. auch die Predigten, die auferbauen.

Aber wann ist eine Predigt auferbauend?
Der Schlüssel ist „bauen“. Damit eine Mauer, ein Gebäude, gebaut werden kann, müssen die Steine richtig aufeinander sitzen. Und wenn sie krumm und schief sitzen, dann müssen sie im Mörtel noch gerade geklopft werden.
Könnte der Stein reden, würde er sicherlich gegen eine solche Behandlung protestieren. Uns geistlichen Steinen gefällt es nicht, wenn wir zurecht gerückt, ermahnt  und korrigiert werden („zurechtbringen“ ist ein Schlüsselwort in unserer Titus-Predigtserie).

Buße ein Geschenk
Buße geschenkt zu bekommen, d.h. die Gelegenheit zu bekommen umzukehren, unser Denken, unsere Haltung und unser Tun zu verändern, ist ein solches Zurechtgerücktwerden, und ist eines der größten Geschenke, das uns Gott machen kann.
Von Esau sagt das neue Testament, dass er, obwohl er sie suchte, keinen Raum zur Buße fand (siehe Hebr. 12:17).
Buße ist ein Geschenk, das wir unbedingt ergreifen sollten.
Manchmal ist es Gottes Freundlichkeit (Römer 2:4) und manchmal Seine Strenge (Off. 3:19), die uns zur Buße leitet.
Aber in allen Fällen ist es Gottes Gnade, Sein gnädiges Handeln, das wirksam ist.

Beständige Buße
In der Fastenzeit, in der wir jetzt sind, tun die Menschen so, als würden sie sich auf Ostern vorbereiten. Dabei sind wir berufen ein Leben beständiger Buße zu leben, ein Leben das sich immer mehr in das Bild Jesu verwandelt.
Das kann aber nur geschehen, wenn wir immer wieder erkennen, wo wir noch nicht diesem Bild entsprechen.
Je älter man wird, umso weniger mag man sich im Spiegel sehen. Es bedarf immer mehr Aufwand, noch präsentabel zu sein.
Die Schrift spricht davon, dass unser inwendiger Mensch immer mehr hin zu dem erneuert wird, was sich Gott vorgestellt hat.

Buße für alle
In Gottes Wort zu schauen ist, wie in einen geistlichen Spiegel zu sehen. Dort entdecken wir, was auf dem Weg dieser Veränderung noch alles vor uns liegt.
Wir sind auf diesem Weg alle gemeinsam unterwegs, und da braucht es Liebe, einander auf diesem Weg zu helfen. Liebe und Demut, die auch bereit ist, zu ermahnen, zu ermutigen, zurechtzuweisen, und Liebe und Demut, sich auch ermahnen, ermutigen und zurechtweisen zu lassen, die dankbar ist, dass Gott Gnade schenkt.
Natürlich ist es besser, wenn wir die Dinge selber erkennen. Aber wenn wir mal so blind sind, dass wir‘s nicht mehr sehen und Gott andere gebraucht, zeigt das nur Seine Liebe.
Beten wir für uns und einander, dass wir nicht so renitent sind, dass Gott uns züchtigen muss, bis dass wir Buße tun.
Beten wir, dass wir schon auf Gottes Güte und Seine Langmut reagieren.
Nutzen wir die Gelegenheiten auch beim kommenden Gebetstreffen um füreinander einzustehen, um für die Menschen um uns herum einzustehen und sie vor Gott zu bringen. Beten wir, dass Gott doch vielen um uns herum dieses Geschenk der Buße zukommen lässt und wir die Überbringer dieser guten Nachricht sein dürfen.
Beten wir, dass wir den Mut haben, von dieser guten Nachricht zu sprechen, einer Nachricht, die immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird.

 Eure Eugen und Jürgen